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DAC587 > WETTER   26.07.08 16:11l 83 Lines 4619 Bytes #999 (0) @ DEU
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Subj: Klimawandel: Die Kuh als Umweltschwein ersten Ranges
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Ökologen warnen vor den gravierenden Folgen der weltweiten Viehzucht - 
Ungebremster Methan-Ausstoß 

Rülpsende Rinder als Mitschuldige am Klimawandel? Was sich wie ein Witz 
anhört, finden Wissenschaftler gar nicht zum Lachen. Denn beim Wiederkäuen 
produzieren Kühe das Treibhausgas Methan. Zudem wird immer mehr Regenwald für 
die Viehzucht gerodet.

NÜRNBERG - Das Problem Klimawandel lässt sich gut illustrieren. Mit 
rauchenden Industrieschloten zum Beispiel. Oder mit einem qualmenden 
Auto-Auspuff. Auch ein schmelzender Gletscher inmitten grüner Wiesen eignet 
sich. Aber eine friedlich grasende Kuh? Das geht nicht. Und vielleicht ist 
das auch ein Grund dafür, dass das Thema Viehzucht bei der Diskussion um die 
Erderwärmung so gut wie keine Rolle spielt.

Dabei sprechen die Fakten für sich, sagt Josef H. Reichholf. Für den 
Evolutionsbiologen und Professor für Naturschutz an der TU München ist die 
globale Viehzucht nichts anderes als ein Verschmutzer ersten Ranges, sind 
Rinder die größten Umweltschweine. «Überall werden Tropenwälder und Savannen 
zerstört, um Futtermittel anzubauen oder zusätzliche Weideflächen zu 
schaffen», so Reichholf. Gleichzeitig schädigt das Methan aus den Mägen der 
Tiere das Klima.

Alle 40 Sekunden ein Bäuerchen

Rund 1,5 Milliarden Rinder käuen derzeit auf der Erde wieder und entlassen 
dabei das Gas, das die Atmosphäre um ein Vielfaches stärker aufheizt als 
Kohlendioxid und sich nur sehr langsam abbaut. Im Schnitt macht eine Kuh 
während der Verdauung alle 40 Sekunden ein Bäuerchen voller Methan, am Tag 
kommen so pro Rind bis zu 250 Liter zusammen. «Allein durch die Rodungen und 
das Methan belastet der globale Rinderbestand das Weltklima genauso stark wie 
alle Menschen Indiens, Japans und Deutschlands zusammen», so Reichholf.

Wird dazu noch der Energieeinsatz für die Haltung aller anderen Nutztiere wie 
Schafe, Schweine und Geflügel hinzugerechnet, entspricht die Umweltbelastung 
der des gesamten Autoverkehrs auf der Erde. Ähnlich düster liest sich auch 
ein aktueller Bericht der UN-Ernährungsorganisation FAO. Demnach ist die 
globale Viehzucht «eine der größten Quellen für Treibhausgase und die 
Zerstörung der biologischen Vielfalt des Planeten». Allein die Rinder sind 
laut dem 370 Seiten starken Bericht mit rund 20 Prozent «die wichtigste 
Einzelquelle für die weltweite Methan-Emission». Etwa vier Prozent des 
Treibhauseffekts gehen nach Rechnung der Forscher allein auf das Konto der 
rülpsenden Kühe. Dass das aber keiner so genau wissen will und Politiker 
weltweit lieber über neue Kraftwerkstechnik als die Reduktion von Viehherden 
sprechen, liegt für Reichholf auf der Hand. Der Hunger nach billigem Fleisch 
ist ungebrochen. Etwa 1,3 Milliarden Menschen auf dem Planeten leben zudem 
von der Viehzucht. Für Länder wie Brasilien, Neuseeland oder Australien ist 
das Geschäft mit den Viehherden ein wichtiger Wirtschaftszweig mit 
entsprechend mächtiger Lobby. So entstehen in Brasilien etwa 60 Prozent der 
Treibhausgase durch Rodungen in der Landwirtschaft. Doch schon beim ersten 
Umweltgipfel in Rio 1992, den Reichholf mit organisierte, «wurde die 
Problematik auf Drängen eben dieser Länder ausgeblendet».

Belächeltes Thema

Darunter leidet auch die Forschung. Weltweit beschäftigen sich nur ein paar 
Arbeitsgruppen damit, wie sich der Methan-Ausstoß der Tiere verringern lässt. 
In Deutschland forscht der Leiter des Instituts für Tierernährung der 
Universität Hohenheim, Winfried Drochner, daran. Leicht hat er es dabei 
nicht, etwa wenn es um Forschungsgelder geht. «Bisher ist das ein eher 
belächeltes Thema», so der Professor.

Die Methanbildung lässt sich laut Drochner schon durch eine veränderte 
Futterzusammensetzung drosseln. Wo die Tiere allerdings keine regulierte 
Fütterung bekommen und - wie etwa in Südamerika üblich - frei laufen, nützt 
das nichts. Hier soll eine andere Strategie zum Einsatz kommen: Eine «Bolus» 
genannte Riesentablette könnte den Rindern verabreicht werden. Über einen 
Zeitraum von zwei bis drei Monaten sondert sie Substanzen ab, die die 
Methanproduktion im Magen selbst drosselt.

Das wäre laut Drochner auch im Sinne der Bauern. Denn mit dem Methan lässt 
die Kuh auch eine Menge Energie fahren, die ihr dann bei der Fleisch- und 
Milchleistung fehlt. «Aber die Entwicklung des Bolus steckt noch in den 
Kinderschuhen.» Langfristig sinnvoll ist deshalb auch aus seiner Sicht nur 
ein global gedrosselter Milch- und Fleischkonsum. «Aber darauf darf man wohl 
nicht hoffen.»

Arno Stoffels 




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